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23.07.2019 11:25

Ein Kirchendachboden voller Fledermäuse?

Artenschutzprojekt mit der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Hagen-Hohenlimburg erfolgreich umgesetzt.

Das Kirchengebäude im Tal der Lenne (c) Biologische Station Hagen e.V.

Das Kirchengebäude im Tal der Lenne (c) Biologische Station Hagen e.V.

Zwei Fledermaus-Gewölbesteine 1GS mit Winkeln am Stahlträger befestigt (c) Biologische Station Hagen e.V.

Zwei Fledermaus-Gewölbesteine 1GS mit Winkeln am Stahlträger befestigt (c) Biologische Station Hagen e.V.

Zwei Fledermausquartiere 1FQ mit Auffangbehälter für den Kot (c) Biologische Station Hagen e.V.

Zwei Fledermausquartiere 1FQ mit Auffangbehälter für den Kot (c) Biologische Station Hagen e.V.

Ein Kirchendachboden voller Fledermäuse? Was noch bis in die 1930er Jahre hinein nahezu selbstverständlich war, hat heute Seltenheitswert. Die Entwicklung der ersten chemischen Holzschutzmittel erwies sich nicht nur für Menschen als bedenklich, sondern auch für Fledermäuse. Durch den direkten Kontakt am Hangplatz oder das Einatmen der Ausdünstungen erfolgte eine schleichende Vergiftung, die sich insbesondere durch eine erhöhte Sterblichkeit der Jungtiere auszeichnete. Durch die Entwicklung neuer und fledermaus-verträglicher Holzschutzmittel hat sich die Situation entscheidend verbessert, zumal sich die Giftstoffe aus früheren Holzschutzbehandlungen über die Jahrzehnte zunehmend abgebaut haben.

Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist aber nach wie vor hoch aktuell. Obwohl Fledermäuse zu den treusten Kirchgängern gehören, wird ihnen der Zugang verwehrt! Schalllucken werden mit engmaschigen Gittern versehen und alle Öffnungen zum Dachstock systematisch verschlossen. Diese Maßnahmen dienen der Taubenabwehr und haben, wenn sie nicht auf die Bedürfnisse der Fledermäuse abgestimmt sind, eben diese negativen Begleiterscheinungen.

Die Fehler der Vergangenheit beheben und die Kirchen wieder für Fledermäuse zu öffnen, hat sich die Biologische Station Hagen mit Hilfe der KARL KAUS STIFTUNG zum Ziel gesetzt. So ist es uns in diesem Jahr gelungen, eine weitere Kirchengemeinde für den Schutz der Fledermäuse zu begeistern. Der Glockenturm und der Dachstock der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde in Hagen-Hohenlimburg verfügen nun über geeignete Ein- und Ausflugmöglichkeiten und zudem konnten noch spezielle Nisthilfen, unter Einhaltung denkmalschutzrechtlicher Belange, als Versteckmöglichkeiten angebracht werden.

Als Anerkennung für dieses Engagement wurde der Kirchengemeinde im Rahmen eines separaten „Fledermaus-Kindergottesdienst“ die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ verliehen.