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18.10.2013 11:30

Erster Baggerbiss bei Wittenberge im Projekt "Wasserrückhaltung im Einzugsgebiet der Elbe"

Für den Maßnahmenbeginn des Projekts „Eine Allianz zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft – Wasserrückhaltung im Einzugsgebiet der Elbe“ in Hermannshof bei Wittenberge wurde am 27. September 2013 unter Beteiligung des Prignitzer Landrates Hans Lange der Bau eines Grabenstaukopfes als eine der ersten Maßnahmen im Verbandsgebiet des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz eingeleitet.

v.l.r: Projektkoordinator Eckart Krüger (Karl Kaus Stiftung), Hartmut Heckenroth (stv. Vorsitzender, Karl Kaus Stiftung), Peter Wilde (Projektmanager, Allianz Umweltstiftung), Landrat Hans Lange (Prignitz), Frank Schröder (Geschäftsführer, Wasser- und Bodenverband Prignitz)

Seit den katastrophalen Hochwässern vom Juni 2013 wird deutschlandweit wieder über besseren Hochwasserschutz bzw. bessere Hochwasservorsorge diskutiert. Dabei zeigt sich, dass dem vorsorgenden Hochwasserschutz durch Verbesserung der Speicherfunktion in der Landschaft zukünftig mehr Bedeutung zukommen muss.
Gleichzeitig ist ein verstärkter Verlust an Feuchtlebensräumen insbesondere in den Auengebieten im Einzugsgebiet der größeren Flüsse zu verzeichnen. Solche natürlichen Wasserspeicher sind notwendiger denn je, um für eine größtmögliche Balance zwischen Wasserüberschuss und Wassermangel zu sorgen und damit einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität zu leisten.

Diesen Zielstellungen folgt das Projekt „Eine Allianz zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft – Wasserrückhaltung im Einzugsgebiet der Elbe“. Dank der Förderung durch die Allianz Umweltstiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie weitere Förderung durch Landesmittel und EU-Mittel werden im UNESCO Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ sowie darüber hinaus bis 2016 insgesamt 28 verschiedene Baumaßnahmen umgesetzt. Die Einzelmaßnahmen liegen im näheren Einzugsbereich der Elbe von der Westgrenze Mecklenburg-Vorpommers bis in den Süden Sachsen-Anhalts. Dabei stehen Wasserrückhaltung in der Landschaft, naturnahe Gewässerentwicklung und Förderung feuchtgebietstypischer Arten, insbesondere des Weißstorchs, im Vordergrund, machte Hartmut Heckenroth, stellvertretender Vorsitzende der Karl Kaus Stiftung für Tier und Natur als Projektträger des länderübergreifenden Verbundprojektes in seinem Grußwort deutlich.

Peter Wilde, Projektmanager der Allianz Umweltstiftung aus Berlin, freut sich, dass seine Stiftung an der Elbe ein Projekt unterstützen kann, das nach mehreren so genannten Jahrhunderthochwässern in den letzten 10 Jahren einen echten Beitrag zu einem nachhaltigen Hochwasserschutz leistet. Wasserrückhaltung in der Landschaft im gesamten Einzugsgebiet der großen Flüsse lässt sich dabei gut mit der Forderung nach Entwicklung von Feuchtlebensräumen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten verbinden. Insgesamt stellt die Allianz Umweltstiftung ca. 180 Tsd Euro für das Projekt zur Verfügung.

Projektkoordinator Eckart Krüger (Projektbüro Mittlere Elbe der Karl Kaus Stiftung) stellt heraus, dass es sich hier um ein weit gefasstes Projekt mit vielen Projektpartnern und Beteiligten handelt. „Solche Projekte können nur erfolgreich sein, wenn auf freiwilliger Basis Eigentümer und Fachinstitutionen der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes zusammen agieren.“ Immerhin hat das Projekt ein Finanzvolumen allein für Baumaßnahmen von fast 1 Mio. Euro. Wichtig ist auch eine naturschutzfachliche Begleitung mit einer entsprechenden Überprüfung der Wirksamkeit nach Fertigstellung. Diese Arbeit und die Öffentlichkeitsarbeit wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 125 Tsd Euro unterstützt.

Zuverlässige und fachlich kompetente Partner sind die zuständigen Wasser- und Bodenverbände als Bindeglied zwischen den Interessen der Eigentümer und Bewirtschafter sowie den öffentlichen Interessen in den beteiligten Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz und Mitorganisator der Veranstaltung, erläutert die konkreten Maßnahmen vor Ort. Bei Hermannshof wird ein regelbarer Grabenstaukopf in einen Graben eingebaut, der in der Lage ist, für eine wirksame Wasserrückhaltung im angrenzenden Grünland zu sorgen. Durch den vorgesehenen Einbau regelbarer Bohlenstaue in dem oberhalb liegenden verzweigten Grabensystem wird die Wirksamkeit der Wasserrückhaltung noch weiter erhöht. Es geht darum, Wasserüberschuss aus dem Winter im Grünlandbereich besser halten zu können und häufig auftretende Trockenperioden im Frühjahr auszugleichen. Frank Schröder erläutert, dass dieser Staukopf nur eine von mehreren wasserwirtschaftlichen Maßnahmen mit der Zielstellung Wasserrückhaltung und Renaturierung von Fließgewässern in seinem Zuständigkeitsbereich ist.
Nach dem feierlichen Auftakt hatten die Gäste die Möglichkeit, bereits umgesetzte Maßnahmen an der Karthane in Augenschein zu nehmen.