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27.09.2012 17:58

Glasflächen - eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Vögel

Täglich sterben in Deutschland tausende Vögel an den Folgen von Kollisionen mit großen Glasflächen an Häusern, Bushaltestellen oder anderen Objekten. Die Vögel nehmen dabei das Glas nicht als Hindernis war, wenn sie z. B. dahinter liegende Büsche anfliegen wollen oder wenn sich der Himmel oder Landschaftsstrukturen im Glas spiegeln. Gerade jetzt im beginnenden Herbst ist mit besonders hohem Vogelschlag zu rechnen, wenn sich Millionen von Zugvögeln auf den Weg in ihre Winterquartiere begeben und dabei auch unsere Städte durchfliegen.

Realität oder Illusion? Für Vögel gefährliche

Realität oder Illusion? Für Vögel gefährliche

Problem: Glasfassaden mit Spiegelungen natürlicher Strukturen (c) NSI Dresden e. V.

Problem: Glasfassaden mit Spiegelungen natürlicher Strukturen (c) NSI Dresden e. V.

Opfer: Singdrossel  (c) NSI Dresden e. V.

Opfer: Singdrossel (c) NSI Dresden e. V.

Die Dunkelziffer der tatsächlichen Glas-Unfälle ist dabei hoch, weil die betroffenen Vögel nur schwer entdeckt werden. Selten liegen die toten Vögel offentsichtlich vor den Glasflächen. Viele haben innere Verletzungen, mit denen sie sich z. B. in geschützte Gebüsche verkriechen und dort erst nach Stunden sterben. Außerdem "beseitigen" Beutegreifer wie z. B. Hauskatzen und Marder tote wie noch lebende Vögel sehr schnell. Zudem können kollidierte Vögel unter den Gebäuden in Gras oder Gebüsche fallen, in denen sie nicht entdeckt werden.

Was können wir bei der Planung von Gebäuden tun?

Vorbeugen ist einfacher, besser und billiger als Nachkurieren zu müssen! Vorschläge für eine vogelgerechte Planung und Bauausführung von Gebäuden, Lärmschutzwänden sind u. a.:

  • Einsatz von transluzentem, farbigem und reflexionsarmem Glas an Gebäuden und gläsernen Lärmschutzwänden, besonders an exponierten Stellen. Der Außenreflexionsgrad sollte max. 15 % sein.
  • Alternative Verwendung von mattiertem, geriffeltem oder sandgestrahltem Glas. Das Punktraster sollte einen Deckungsgrad von mind. 25 % besitzen.
  • Unterteilung der Fenster in Sprossen; je kleiner die Segmente, desto wirkungsvoller sind sie.
  • Umgebung von Glasflächen möglichst unattraktiv für Vögel gestalten, d. h. keine Baum- oder Strauchpflanzungen, keine Futterhäuschen
  • Einsatz von Ornamentglas
  • Keine Verglasung an Gebäudeecken, was mit die schlimmsten Fallen sind



Was können wir nachträglich zur Verringerung der Vogelschlaggefahr tun?

  • Aufbringen von Streifen oder Gittern, z. B. durch Aufkleben (Birdstripes, z. B. Scotch Magic Tape), Sandstrahlung oder Ätzen. Am wirkungsvollsten sind 2 cm breite, vertikale Streifen mit einem maximalen Abstand von 10 cm, aus sogenannten Vogelschutzfolien.
  • Die Streifen oder Symbole sollten sich farblich von der Umgebung absetzen.
  • Das Anbringen von Gardinen oder Rollos kann, wenn von außen sichtbar, ebenfalls eine Schutzfunktion haben.
  • Bunte Fensterdekorationen befestigen bzw. die Glasfläche mit Glasmalerei gestalten.
  • Vorsicht: aufgebrachte Greifvogelsilhouetten schrecken die Vögel so gut wie gar nicht ab. Falls doch verwendet, sollten die Aufkleber in ausreichender Dichte angebracht werden (mind. 2 pro m²) und farbig sein. Schwarze Silhouetten sind in der Dämmerung fast nicht mehr erkennbar, deshalb sollten weiße verwendet werden.



Weitere Informationen bei:

Naturschutzinstitut (NSI) Region Dresden e. V.
Weixdorfer Str. 15, 01129 Dresden
Tel.: (0351) 810 42 90

oder auch im Internet:

Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" (sehr empfehlenswert!)
http://www.vogelglas.info/public/leitfaden-voegel-und-glas_dt.pdf

www.isolar.de
www.vogelwarte.ch

www.vogelglas.info/d/bibliography.html